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Georg Birk - Genosse Einzelkämpfer

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(* 11.10.1839 bis † 23.09.1924)

Dezember 2003: 110 Jahre Münchner SPD im Rathaus - am 5. Dezember 1893 zog Georg Birk als erster Sozialdemokrat für den 15. Stadtbezirk Vorstadt-Au ins Gemeindekollegium ein

Auf eine 110jährige Geschichte blickt heuer die Münchner
Rathaus-SPD zurück: Am 5. Dezember 1893 zieht Georg Birk als erster Sozialdemokrat ins Gemeindekollegium ein. Mit dem am 11. Oktober 1839 in Hinterbach bei Kempten geborenen Gastwirt startet die erfolgreiche SPD-Kommunalpolitik in der bayerischen Landeshauptstadt. 1914 erringt die SPD 22 Sitze und ist stärkste Fraktion im 60köpfigen Stadtrat. Fünf Jahre danach steht erstmals ein Sozialdemokrat an der Stadtspitze: Eduard Schmid wird 1919 zum 1. Bürgermeister gewählt. Von Thomas Wimmer nach dem Zweiten Weltkrieg über Dr. Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter bis zu Christian Ude heute vertrauen die Münchner auf sozialdemokratische Oberbürgermeister.

Stadtrat Helmut Schmid, Vorsitzender der SPD-Fraktion: "Die Rathaus-SPD steht in der Tradition von Georg Birk. Er ist uns auch heute ein großes Vorbild. Als Gemeindebevollmächtigter - so hieß damals der ehrenamtliche Stadtrat - arbeitete er unermüdlich und konsequent für die Bedürfnisse und Interessen der benachteiligten, politisch rechtlosen Schichten. Denn diese sogenannten "Insassen" oder "Heimatberechtigten" waren vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Er kämpfte gegen Mietwucher und Wohnungsspekulation - Themen, die auch heute noch ganz oben auf der Agenda der Rathaus-SPD stehen."

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Georg Birk kommt 1858 nach Reisen durch Österreich und Rußland sowie einem längeren Aufenthalt auf der Insel Krim nach München. Ab 1866 führt er seine Gastwirtschaft in der Baaderstraße 70. Diese ist während der Sozialistengesetze von 1878 bis 1890 wichtigster Treffpunkt der Münchner SPD.

München hat 1893 etwa 380.800 Einwohner, davon sind gerade einmal 19.292 wahlberechtigt - vor allem Haus- und Grundbesitzer, selbstständige Handwerker, Geschäftsleute und Industrielle. Wählen darf allein, wer das (gebührenpflichtige) Bürgerrecht hat. Voraussetzung dafür sind unter anderem der Besitz des Heimatrechts, ein ständiger Wohnsitz in München, die Entrichtung von Steuern sowie Unbescholtenheit und Volljährigkeit. Taglöhner, Handwerksgesellen, kleine Gewerbetreibende und Frauen sind vom politischen Leben nahezu ausgeschlossen. Umso größer ist die Sensation, als nach der Kommunalwahl von 1893 feststeht: Mit 2.522 Stimmen schafft Georg Birk - aus dem damaligen 15. Stadtbezirk Vorstadt-Au - 21,9 Prozent. Er muss sich im Gemeindekollegium mit 36 Liberalen, 22 Zentrumsvertretern auseinandersetzen, doch gewinnt er bald Vertrauen und Ansehen. Zumal er mehr pragmatisch als ideologisch agiert. So meldet er sich bereits in der zweiten Sitzung zu Wort und macht laut Protokoll "auf die schlechten Zustände der Straßen in Haidhausen, insbesondere der Sedanstraße aufmerksam". Fortan profiliert er sich im Stadtrat als Kämpfer gegen Mietwucher und Wohnungsspekulation, bemüht sich um das kostenlose Bürgerrecht für alle, setzt sich für den genossenschaftlichen Wohnungsbau und eine bessere Armen- und Waisenpflege ein.

Von 1890 bis 1998 und von 1903 bis 1906 ist Georg Birk zudem Mitglied des Deutschen Reichstags, von 1899 bis 1905 Mitglied des Bayerischen Landtags. Schließlich arbeitet er von 1908 bis 1919 als Magistratsrat der Stadt München. Am 23. September 1924 stirbt Georg Birk und wird auf dem Schwabinger Friedhof beigesetzt.

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Text eines Wahlplakats der Münchner SPD zu den Gemeindewahlen 1893:
"Gleiches Recht bei gleichen Pflichten, Abwälzung der Lasten von den Armen auf die Schultern der Besitzenden. Abschaffung der Privilegien und Vorrechte, möglichste Abhilfe der berechtigten Klagen der Stadtbewohner, das ist unsere Losung. Vertretung des gegebenen Programms mit eiserner Konsequenz unsere Aufgabe."

Fanz MÜNTEFERING

Johann Georg Birk und Lissi Kaeser – sozialdemokratische Vorkämpfer werden mit Straßenbenennungen geehrt

17.11.2011 - Nach zwei bedeutenden SPD-Mitgliedern wurden im heutigen Kommunalausschuss des Münchner Stadtrats Straßen im Neubaugebiet am Ackermannbogen benannt. Damit wird das Leben und Wirken von Johann Georg Birk und Lissi Kaeser in München geehrt.

Nach einem Stadtratsbeschluss werden die Straßen im Neubaugebiet am Ackermannbogen nach „Arbeiter-, Freiheits- und Friedensinitiatoren aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ benannt.

Der 1839 geborene Gastwirt und Politiker Johann Georg Birk wurde im Jahr 1893 als erster sozialdemokratischer Gemeindebevollmächtigte überhaupt in das Münchner Rathaus gewählt. Das war der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte in und vor allem für München. Rund zwanzig Jahre später wurde die SPD 1914 mit 22 Sitzen stärkste Fraktion des damals 60-köpfigen "Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten", wie der ehrenamtliche Stadtrat damals hieß.

Birk setzte sich besonders für den Mieterschutz, den Ausbau einer menschenwürdigen Armen- und Waisenpflege ein und den sozialen Wohnungsbau ein. In späteren Jahren war er Reichstags- und Landtagsabgeordneter.

Lissi Kaeser (1882-1953) war Lehrerin und trat 1919 in die SPD ein. Bereits 1920 wurde sie in den Bayerischen Landtag gewählt. Sie kämpfte für Gleichberechtigung und Chancengleichheit, Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und gegen das Heiratsverbot von Lehrerinnen. Mit der Machtergreifung der Nazis bekam sie Berufsverbot.

Nach der Befreiung und dem Ende der Nazidiktatur wurde sie 1945 in den neu gegründeten Vorstand der Münchner SPD gewählt. Zudem wurde sie Vorsitzende der Frauenkommission. Beruflich war sie Referentin für Mädchenbildung im Bayerischen Kultusministerium tätig.

Alexander Reissl, Fraktionsvorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion:

„Mit Johann Georg Birk und Lissi Kaeser werden zwei SPD-Mitglieder geehrt, die für unsere Grundwerte, die wir damals wie heute hochhalten, gekämpft haben. Gerechtigkeit, soziales Handeln, die Sorge um den Wohnungsbau und die Gleichberechtigung – all das sind Grundpfeiler unserer Politik. Daher freuen wir uns, dass die Erinnerung an unsere Vorkämpfer durch die Straßenbenennungen erhalten bleibt. Das ist uns aber auch Auftrag, weiter in ihrem Sinne im Münchner Rathaus zu arbeiten.“

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