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Krankenunterstützungsverein und Sterbekasse der Zimmerleute und Schreiner Au München
gegründet 1606

Von Franz Josef Kappl (2005)

Als Gründungstag des Krankenunterstützungsverein und Sterbekasse der Zimmerleute und Schreiner München Au wird der 16. September 1606 überliefert.

Der edle Herzog Wilhelm V. begab sich tags zuvor mit seinen Jägern und Gefolge zur Wildsaujagd in die Gegend um Grünwald und Straßlach. Hierbei begab es sich, dass der Herzog von seinem Gefolge getrennt wurde. Plötzlich brach aus dem Dickicht ein wildgewordener Keiler und bedrängte Wilhelm V. mit seinem Oberjäger so stark, dass diese in höchste Gefahr kamen und nach dem Gefolge riefen. Dieses jedoch war zu weit entfernt und konnte die Rufe nicht hören. Zur gleichen Zeit waren der Zimmermann Joseph Geißreiter mit drei Kameraden für die damalige Proviant- und Spießmühle ob der Au in der Nähe beim Baumfällen. Die Vier hörten die Hilferufe des Oberförsters und eilten den Bedrängten zu Hilfe. Mit wuchtigen Axthieben erlegten sie den wütenden Keiler und erretteten so Herzog Wilhelm V. aus höchster Lebensgefahr. Dieser war gerührt von dem Mut und der Treue der vier Männer und bestellte diese für den nächsten Tag zu sich ins Schloss Neudeck.

Geißreiter und seine drei Kameraden erschienen und der edle Herzog fragte ob er ihnen eine Wusch erfüllen könne. Worauf Geißreiter wieder vor Wilhelm V. trat und diesen bat einen Bruderbund der Zimmerleute in der Au gründen zu dürfen. Der edle Herzog erteilte ihnen unter wiederholtem Lobe die schriftliche Erlaubnis, einen Bruderbund der Zimmerleute in der Au errichten zu dürfen und übergab ihnen zugleich 100 bayerische Taler zur Gründung einer Kasse. Eine Summe, die dortmaliger Zeit ziemlich bedeutend war.

Schnell verbreitete sich die frohe Kunde und in kürzester Zeit traten 85 Zimmerleute dem Verein bei und ließen sich eintragen. Als nun der erste Jahrtag gehalten wurde, lud der edle Herzog hocherfreut über die gute Eintracht und den Gemeinsinn des Bundes die Mitglieder zu sich ins Schloss Neudeck um sie dort fürstlich zu bewirten und selbe wiederholt zu beschenken. So nahm dieses Bündnis von Jahr zu Jahr zu und erhielt sich zum Segen der Menschheit, trotz wirtschaftlich schwieriger Zeit, blühend in der schönsten Ordnung.


1705

Verbrüderung mit den Oberländer Bauern um München von der Fremdherrschaft der Österreicher zu befreien. In der Christnacht 1705 wurden von 96 Mitgliedern 34 von den kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei der Sendlinger Kirche niedergemetzelt.

Jakob Gelb (nach ihm ist der Jakob Gelb Platz benannt) kümmerte sich trotz schwerster Verwundung um die 45 Waisenkinder der gefallenen Mitglieder.


1707 Bennotag

1. Wallfahrt zum Gedenken der Mordweihnacht von 1705 nach Andechs. Somit waren in München die Auer Zimmerleute wohl die ersten, die zum Gedenken ihrer eigenen Kameraden und aller in der Christnacht 1705 gefallenen und ermordeten Oberländer zu den Gräbern am alten Südfriedhof und im Kirchhof der Alten Sendlinger Kirche gekommen sind und weiter nach Andechs pilgerten.


1742 Pandurenkrieg

Abermalige Verbündung gegen die österreichische Fremdherrschaft der Panduren.

12. Oktober 1821

Joseph Kohlhofer wurde von 276 Mitgliedern zum Vorstand gewählt. Ihm zur Seite stand Bartolomä Moosholzer welchen noch Thomas Thauber beigegeben. Unter der Leitung von Joseph Kolholfer wurde eine neue Satzung verabschiedet, genehmigt, gedruckt und jedem Mitglied ausgehändigt.


16. Juni 1828

Trotz fehlender Erlaubnis der Obrigkeit Wiederaufnahme der Wallfahrt nach Andechs zum Gedenken an Jakob Gelb und aller Gefallenen der Mordweihnacht von 1705.


28. April 1830

König Ludwig I. genehmigt die Wallfahrt nach Andechs schriftlich mit folgendem Wortlaut:

"Solange ich nicht anders verfüge, bewillige ich, dass jedes 3. Jahr befraglicher Kreuzgang stattfinden darf und heuer der erste wiederum sei".

Daraufhin beschlossen die Zimmerleute den ersten öffentlichen Betgang am 27. Juni 1830 vorzunehmen und alle 3 Jahre zum Gedenken zu wiederholen.


09. Oktober 1831

Die Auer Zimmerleute beteiligten sich bei der feierlichen Enthüllung des Fresko-Gemäldes an der Sendlinger Kirche von Wilhelm Lindenschmit dem Älteren.


1866 und 1870

entbrannten zwei Kriege, in denen wieder Auer Zimmerleute ihr Leben für König und Vaterland ließen.


1871

übernahm Michael Holzschuh die Vorstandschaft und sorgte dafür, dass die Kriegsteilnehmer wieder am Vereinsleben teilnahmen, sodass die Mitgliederzahl auf über 100 anwuchs.


1899

unter der Leitung von Theodor Mangold wurden auch Schreiner in den Verein aufgenommen. Der Bruderbund der Auer Zimmerleute wurde in Krankenunterstützungsverein und Sterbekasse der Zimmerleute und Schreiner Au München umbenannt.


1905

feierten die Auer Maurer eine Fahnenweihe bei der wir als Patenverein auftraten und sich der Festverein schriftlich bei uns bedankte.


1906

Fest zum 300-jähringen Bestehen des Vereins mit Fahnenweihe unter Leitung des Vorstandes Theodor Mangold


1914 - 1918

Teilnahme vieler Vereinsmitglieder am 1. Weltkrieg.


1924

übernahm Karl Kerner sen. die Vorstandschaft.


9. August 1931

Fest zum 325-jährigen Jubiläum unter der Leitung von Vorstand Karl Kerner sen.. Die Schirmherrschaft übernahm Seine königliche Hoheit Prinz Alfons von Bayern. Lebende Bilder aus der Vereinsgeschichte wurden dargestellt.


  1. Bild – Die Rettung Herzog Wilhelm V. durch Auer Zimmerleute 1606.
  2. Bild – Die Erstürmung des Roten-Turmes 1705
  3. Bild - Bei der Schlacht im Sendlinger Oberfeld im Kampf mit Panduren 1705.
  4. Bild – Jakob Gelb der Waisenvater von 1705.

Als Patenverein fungierte der Militär- und Kriegerverein Au München.


11. November 1931

gestattete sich die Landeshauptstadt München uns mitzuteilen, dass mit Beschluss vom 05. November 1931 der Platz an der Pilgersheimer Straße zwischen Jamnitzer Straße und Waldeckstraße als Jakob-Gelb-Platz umbenannt wurde. Somit erhielt der Wohltäter der Waisenkinder von der Mordweihnacht 1705 eine dauerhafte Ehrung.


September 1939

Beginn des 2. Weltkrieges. Wieder wurden viele Kameraden zum Kriegsdienst eingezogen.


September 1944

Unser damaliges Vereinsheim, der Neudecker Garten, wurde völlig zerstört und wir verloren unersetzliche Werte. Die schöne reich mit Gold gestickte Fahne, Fahnenkasten, Fahnenbänder, Hüte und Schärpen für Fahnenträger und dessen Begleiter. Unter anderem eine mit gotischen Verziehrungen versehene Truhe aus Eiche und eine Kassette mit Talern aus der Zeit Wilhelm V.. Ferner gingen unser, schon einmal aus Schutt und Asche gerettetes Zunftschild und Zunftbierhumpen aus Zinn verloren.


1945

Nach Kriegsende meldeten sich von den knapp 100 Mitgliedern vor dem Krieg noch 60 zurück. Die Restlichen waren entweder vermisst oder gefallen.


1948

Bei der Währungsreform 1948 wurde das Vereinsvermögen von RM 12.000,00 auf DM 1.200,00 umgewechselt.

1951

Kauf der heutigen Vereinsfahne vom "Krankenverein die Bergler" für DM 100,00, da sich dieser auflöste. Die Fahne wurde von der Fahnenstickerei Auer in der Kreuzstraße für unseren Verein umgearbeitet.


1954

Wir bezogen den Neubau der Gaststätte "Zur Harmonie" am Mariahilfplatz und machten dies zu unserer neuen, ständigen Bleibe. Die Spatenbrauerei, genehmigte auch den Einbau eines Fahnenkastens nebst Zubehör.


1956

Im August wurde unter Leitung unseres Vorstandes Karl Kerner sen. und des 2. Vorstandes Toni Herrmann unsere neue Fahne mit einem großen Fest geweiht. Die Tölzer Zimmerleute stellten den Patenverein. Die Schirmherrschaft übernahm der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Die Fahnenmutter war Frau Ulrich – Bäckerei-Inhaberin in der Au.


1981

Am 24. Oktober fand das 375-jährige Gründungsfest im Salvatorkeller Saal II statt. Schirmherr war Bauunternehmer Theo Brannekämper. Festredner der Stadt München war Stadtrat Albert Schottenheim. Die Deggendorfer Zimmerleute standen Pate. Der Einladung folgten 18 Vereine mit ca. 400 Personen. Die Stadt München spendete DM 2.000,00 als Unterstützung für das Fest.


1984

Erweiterung der historischen Gruppe. Es wurden zusätzlich noch 6 Lederschürzen angeschafft. Karl Kerner jun. verfasst eine Vereins-Chronik .


1990

Wurde eine Gedenktafel aus Granit in der Mariahilfkirche neben dem Kriegerdenkmal angebracht. Sie wurde nach einem Gedenkgottesdienst für die gefallenen und verstorbenen Mitglieder vom Pfarrer Zirl mit einer Kranzniederlegung geweiht. Dieser Gedenkgottesdienst wird seither jedes Jahr am 1. Samstag im November begangen.

1991

Wechsel in der Vorstandschaft. 1. Vorstand wurde Franz Kappl, er löste Karl Kerner jun. ab. Die Mitglieder waren sich einig, dass der ehemalige Vorstand Karl Kerner jun. für seine Verdienste in seiner 15-jährigen Tätigkeit als 1. Vorstand zum Ehrenvorstand ernannt wird.


1992

erstes gemeinsames Gründungsfest mit den Auer Maurern im Schäfflersaal des Salvatorkellers.


1995

Verstarb Karl Kerner. Ab diesem Jahr nahm unser Verein am 4. Adventsonntag am Gedenkgottesdienst für die Mordweihnacht von 1705 in Sendling teil. Dies geschah auf Einladung des Trachtenvereins Schmid von Kochel. Wir stellten jedes Jahr eine Fahnenabordnung in Begleitung einiger Mitglieder.


1997

Unser Vereinslokal "Zur Harmonie" wurde saniert. Bereits vor Beginn der Arbeiten wurde uns mitgeteilt, dass wir unsere Vereinsutensilien (Fahnenkästen und div. Schränke) nicht mehr in den Räumen des Lokals aufbewahren konnten. Dies war ein schwerer Schlag für uns, da wir nun kein Vereinslokal mehr hatten. Die Suche nach einem neuen Vereinslokal gestaltete sich schwierig, da es in der Au so gut wie keine Gaststätten mit Nebenraum mehr gab. Die wenigen welche so ein Zimmer hatten, nahmen keine Vereine mehr auf, geschweige denn ließen sie den Einbau von Fahnenkästen zu. Unsere Sitzungen wurden vorübergehend in der Gaststätte "Zum Herrgottseck" am Mariahilfplatz abgehalten.


1999

Durch das gute Verhältnis und die ergänzende Zusammenarbeit mit dem Kultur-Verein "Freunde der Vorstadt Au" eröffnete sich die Möglichkeit, die Fahnenkästen und Vereinsutensilien in deren Räumlichkeiten unterzubringen. Dies wurde durch ein eingehendes Gespräch zwischen den Vorständen Herrn Plechinger und Franz Kappl vereinbart. Der Raum befindet sich im Geburtshaus des Münchner Komikers Karl Fey, bekannt als Karl Valentin, in der Zeppelinstraße 41.

2002

Im Januar erfolgte die Währungsumstellung von DM auf Euro. Der Jahresbeitrag setzt sich seither zusammen:

Beitragstyp DM
Für Rentner
Krankenkasse 12,00 6,14
Sterbekasse 3,60 1,84
Dispositionskasse 29,40 15,02
Gesamtbeitrag 45,00 23,00
Für Berufstätige
Krankenkasse 12,00 6,14
Sterbekasse 3,60 1,84
Dispositionskasse 33,40 17,02
Gesamtbeitrag 49,00 25,00

Bei der Hauptversammlung wurde angeregt, eine neue Fahne zum 400-jährigen Vereinsjubiläum anzuschaffen und weihen zu lassen. Dies sollte in einem würdigen Rahmen ablaufen.


2003

Bei der Hauptversammlung wurde beschlossen, dass nun auch Frauen eine Mitgliedschaft, mit den gleichen Rechten und Pflichten wie ihre männlichen Kollegen, erwerben können. Ein Festausschuss für das 400-jährige Gründungsfest wurde gebildet. Die Mitglieder des Festausschusses sind:

Franziska Reithmeier, Rosmarie Muhr, Franz Kappl, Konrad Muhr, Franz Eberle, Hans Huber, Högl Josef  und Roland Mende.


2004

Im Oktober nahm man mit Herrn Ponkratz, Wirt des Salvatorkellers, Kontakt wegen der 400-Jahrfeier auf. Die Dame des Veranstaltungsbüros eröffnete uns, dass wir mit € 15.000,00 Umsatzvorgabe bzw. Saalmiete zu rechnen haben. Dieser Betrag war und ist für uns nicht akzeptabel und wir mussten uns nach einer anderen Möglichkeit umsehen. Darauf hin schlug Konrad Muhr vor, sich mit dem Truderinger Festring in Verbindung zu setzen und unser Anliegen vorzubringen.


2005

Auf Initiative von Konrad Muhr traf man sich im März mit dem Truderinger Festring um den Ablauf unseres Festes im Jahr 2006 zu besprechen. Anwesend waren der Vorstand des Festringes, der Wirt des Bierzeltes, und die Mitglieder Kappl, Muhr mit Frau, Eberle.
Schnell einigte man sich auf den Festtagstermin, den 21. Mai 2006.

Chronik der Vorstände

Die Vorstände seit 1821 waren:

1821 – 1824 Kolhofer Josef

1824 – 1827 Daubner Thomas

1827 – 1830 Millauer Anton

1830 – 1833 Seitz Joseph

1833 – 1837 Roßmann Georg

1837 – 1839 Zehetmair Bartholomäus

1839 – 1842 Schelsohn Joseph

1842 – 1845 Sappel Joseph

1845 – 1849 Höck Joseph

1849 – 1868 unbekannt

1868 – 1870 Schneider Martin

1870 – 1871 Berger Anton

1871 – 1873 Holzschuh Michael

1873 – 1876 Brenner Johann

1876 – 1877 Strasser Theodor

1877 – 1878 Bichlmeier Georg

1878 – 1879 Kolhofer Anton

1879 – 1880 Graf Johann

1880 – 1881 Holzapfel Andreas

1881 – 1884 Bauer Joseph

1884 – 1892 Späth Ludwig

1892 – 1893 Holzschuh Michael

1893 – 1894 Schmied Anton

1898 – 1897 Zimmerer Anton

1897 – 1922 Mangold Theodor

1922 – 1924 Wandl Karl

1924 – 1957 Kerner Karl, sen.

1957 – 1958 Reisinger Alois

1958 – 1965 Wagner Bartholomäus

1965 – 1975 Hermann Anton

1975 – 1991 Kerner Karl jun.

seit 1991 Kappl Franz


Quellennachweis:

Recherchen von Franz Eberle
Chronik von Karl Kerner jun. von 1984
Das Monument in Sendling von Hans Zapf von 1995
Geschichte des Bruderbundes von 1876 Druck Josef Deschler

***

Kontakt:

1. Vorstand: Franz Josef KAPPL
Tel.: 00-89-144644
Fax: 00-89-14729311
email: info(at)auer-zimmerer.de

2. Vorstand: Konrad MUHR
Tel.: 00-89-425747
Fax: 00-89-42720633

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