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Hans-Ulrich PFAFFMANN

Unsinn des Monats:
Union will "Strafsteuer" für Kinderlose

Die ‚Junge Gruppe‘ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion will mit einer Sonderabgabe für Kinderlose angeblich „nicht nur die Generationengerechtigkeit, sondern auch die intergenerative Gerechtigkeit“ durchsetzen. Die Abgabe soll nach Anzahl der Kinder gestaffelt werden: Kinderlose zahlen die volle Abgabe, bereits bei einem Kind halbiert sich die Zahlung.

Für den Münchner SPD-Vorsitzenden Hans-Ulrich Pfaffmann, als Landtagsabgeordneter auch Sozialexperte seiner Fraktion, ist diese Forderung der ‚Unsinn des Monats‘: „Wäre das Thema nicht so ernst, könnte man diesen Vorschlag bestenfalls noch als missglückten Faschingsscherz betrachten.  Wer eine ‚Strafsteuer‘ für Kinderlose einführen will, zündelt nämlich völlig ohne Not im sozialen System unseres Landes.“

Selbstverständlich, so der Münchner SPD-Vorsitzende, sollen Familien mit Kindern finanziell entlastet werden – zum  Beispiel durch eine Reform des Kindergeldes, dass gerecht an Einkommensgrenzen angepasst werden muss.

Hans-Ulrich Pfaffmann: „Aber wir brauchen bei diesem Thema Solidarität und ein positives Miteinander.  Auch Menschen, die  sich aus persönlichen Gründen gegen eine Familie entscheiden oder aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können, dürfen nicht ausgegrenzt werden. Gerade in München gibt es überdurchschnittlich viele Single-Haushalte, die durch die hohen Lebenshaltungskosten sowieso schon finanziell belastet sind. Wir dürfen es auf gar keinen Fall dazu kommen lassen, dass all diese verschiedenen Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden!“

Der bayerischen Sozialministerin Haderthauer rät Pfaffman dringend,  ihre bereits öffentlich erteilte Zustimmung zu dieser unausgegorenen  gesellschaftspolitischen Forderung schnellstmöglich wieder zurückzunehmen.

Hans-Ulrich Pfaffmann: „Offensichtlich hat sich hier niemand wirklich überlegt, wie das überhaupt funktionieren soll.  Müssen denn dann alle jungen Menschen am Start ihres Berufslebens eine ‚Strafsteuer‘ zahlen, weil sie noch keine Kinder haben? Und bekommen sie später die eingezahlten Beträge wieder zurück, wenn sie  eine Familie gründen? Ich kann nur hoffen, dass dieser ‚Unsinn des Monats‘  nach dem kommenden unsinnigen Donnerstag wieder vom Tisch ist.“

Caren MARKS

Solidarität geht anders

14.02.2012 - Zu den Überlegungen aus Teilen der Union zu einer sogenannten Demografie-Rücklage erklärt die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Caren Marks:

Die angedachte prozentuale Einkommensabgabe von Kinderlosen beziehungsweise Menschen mit nur einem Kind als sogenannte Demografie-Rücklage ist kein Beitrag zur Stabilität der Sozialversicherungssysteme und schon gar kein Beitrag zu Solidarität und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.

Aber es geht ja auch nicht wirklich darum. Abgeordnete der CDU/CSU versuchen auf diesem Weg davon abzulenken, dass diese Bundesregierung profillos in der Familienpolitik ist und dass sie keine nachhaltige Reform der Kranken- und Pflegeversicherung zustande bringt. Der aktuelle Vorschlag ist ein Offenbarungseid für die Strategielosigkeit der Union.

Familie ist dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, egal, ob mit oder ohne Kinder. Eine Trennung in Kinderlose und Kinderhabende ist ein Spaltpilz in der Gesellschaft und entsprechende Sonderabgaben würden dies noch verstärken.

Wer Familien unterstützen will, sorgt auch für die notwendige Infrastruktur und bedarfsgerechte Angebote für Bildung und Betreuung, schafft Steuerprivilegien ab und setzt sich für ein gelingendes Miteinander unterschiedlicher Familienkonstellationen ein.

Wer Solidarität in der Kranken- und Pflegeversicherung erreichen will, sollte den Überlegungen der SPD folgen und eine Bürgerversicherung einführen anstatt weitere Abgaben unter dem Deckmantel einer Demografie-Rücklage von Menschen ohne Kind oder mit einem Kind einzufordern.

Diese geplante Sonderabgabe von Kinderlosen oder Ein-Kind-Familien zeugt von der Hilf- und Planlosigkeit dieser schwarz-gelben Koalition.

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