Politischer Aschermittwoch
in Vilshofen
"Frei nach Horst Drehhofer"
Einen Regierungswechsel in Bayern – und im Bund – hat SPD-Chef Sigmar Gabriel am politischen Aschermittwoch gefordert. Der Koalition bescheinigte er im komplett ausgebuchten Festzelt in Vilshofen „Karnevalistenqualität“. Derweil scheint die CSU schon fest mit dem Sozialdemokraten Christian Ude als nächsten Ministerpräsidenten in Bayern zu rechnen.
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat beim politischen Aschermittwoch einen Regierungswechsel im Bund und in Bayern nach den Wahlen 2013 beschworen. „Es muss sich was ändern in unserem Land“, rief Gabriel auf einer Kundgebung der SPD in Vilshofen unter dem Jubel von 3500 Anhängern. „Es wird Zeit, dass wir nicht nur einen besseren Bundespräsidenten bekommen, sondern auch einen besseren Bundeskanzler oder eine bessere Bundeskanzlerin.“ Und im Freistaat müsse endlich Schluss sein mit der Machtversessenheit der CSU. „Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU.“
Landtags-Spitzenkandidat Christian Ude rief Ministerpräsident Horst Seehofer zu: „Es ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang, wenn man sich gegenseitig in Pension schickt - das mache ich jetzt auch.“ Der Münchner Oberbürgermeister wurde mit großem Jubel und „Ude, Ude“-Sprechchören gefeiert. Die SPD-Kundgebung fand erstmals in einem großen Festzelt statt, weil der Partei angesichts des Ansturms der traditionell genutzte „Wolferstetter Keller“ bei weitem zu klein war.
Für anhaltende Heiterkeit sorgte der Sozialdemokrat auch mit seiner Replik auf die Ankündigung der CSU, „den Ude vom Thron stoßen“ zu wollen: „Geduld, Geduld“, mahnte der Herausforderer von Horst Seehofer bei der bayerischen Landtagswahl – „ich bin ja noch gar nicht Ministerpräsident“.
Gabriel attackierte den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, kritisierte Kanzlerin Angela Merkel und verspottete die Kandidatensuche der schwarz-gelben Koalition. Merkel habe solche Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, „der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht“.
Über den schwarz-gelben Streit bei der Suche nach einem Nachfolger für Wulff sagte Gabriel: „Das hatte Karnevalistenqualität.“ Gabriel spottete zudem über die CSU, die noch am Samstag gesagt habe, man sei gegen Joachim Gauck, und am Sonntag dann Gauck die Gefolgschaft verspreche. „Das ist frei nach Horst Drehhofer - was stört mich mein Geschwätz von gestern?“
Gabriel kritisierte auch den Widerstand von Union und FDP gegen Mindestlöhne, beklagte ein viel zu lahmes Tempo bei der Energiewende und attackierte das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld für Eltern, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen. „Wer so etwas fordert, der hat sie nicht alle“, rief er. Insgesamt urteilte Gabriel über die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel: „Die benehmen sich wie eine Praktikanten-Initiative - aber wenn man das sagt, hat man schon Angst, dass man die Praktikanten beleidigt.“
Der politische Aschermittwoch in Bildern
Der politische Aschermittwoch in Zitaten
- „Das ist frei nach Horst Drehhofer – was stört mich mein Geschwätz von gestern?“
(Sigmar Gabriel in Vilshofen zum spontanen Meinungswechsel der CSU bei der Nominierung des Bundespräsidenten-Kandidaten Joachim Gauck) - „Geduld, Geduld. Ich bin ja noch gar nicht Ministerpräsident.“
(Christian Ude zur Ankündigung der CSU, ihn „vom Thron stoßen“ zu wollen) - „Wir haben das Zelt voll - von der CSU haben alle die Nase voll in Bayern.“
(SPD-Landeschef Florian Pronold in Vilshofen) - „Da wundert sich der Wetterhahn, wie schnell der Horst sich drehen kann.“
(Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen in Bayern zu den häufigen Richtungswechseln des CSU-Chefs) - „Es war wirklich ein würdeloses Klammerspiel, das wir in den letzten Wochen erlebt haben.“ (Die Parteivorsitzende der Grünen Claudia Roth zur Koalition)
- „Ich begrüße unseren Mister Aschermittwoch, Edmund Stoiber.“
(Horst Seehofer begrüßt in Passau seinen Amts-Vor-Vorgänger) - „Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein As verwandeln.“
(Edmund Stoiber zur erneuten Kandidatur Gaucks) - „Wer sich selbst zum Weißwürstchen macht, darf sich nicht wundern, dass er als solches verspeist wird.“
(FDP-Chef Philipp Rösler zu seinem Kurs gegen die Union bei der Nominierung Joachim Gaucks) - „Der Mensch gewöhnt sich an alles. So wird sich die SPD auch an uns gewöhnen.“
(Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann über die grün-rote Koalition in seinem Land)
Autor: Jan Almstedt
















